Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Ich studiere Deutsch und Englisch auf Lehramt und wollte schon länger ein Auslandssemester in einem englischsprachigen Land machen, um eine andere Kultur kennenzulernen und auch meine Sprachkompetenzen zu verbessern. Somit habe ich mich für Irland entschieden und habe auch recht schnell eine Zusage bekommen. Anschließend hat sich die Maynooth University bei mir gemeldet und alle darauffolgenden Schritte wurden von beiden Universitäten strukturiert und einfach erklärt. Die Kurswahl an der Universität war anfangs verwirrend, aber es bei Fragen oder Problemen gab es immer einen Ansprechpartner*in. Zur Vorbereitung des Auslandssemesters würde ich jedem empfehlen schon früh genug einen Antrag auf das Auslands-BaföG zu stellen, da dieser ziemlich aufwendig ist und auch etwas Zeit in Anspruch nehmen kann.
Studium an der Gastuniversität
Ich habe an der Maynooth University zwei Englischkurse sowie drei Kurse aus dem sogenannten Irish Cultural Heritage Certificate belegt. Im Vergleich zum Studiensystem an der Universität Potsdam herrscht in Maynooth eine strenge Anwesenheitspflicht. In den meisten Kursen mussten mindestens 70 % der Seminare oder Vorlesungen besucht werden; in einigen Fällen floss die Anwesenheit zudem als kleiner Bestandteil in die Gesamtnote ein. Der Großteil der Seminare und Vorlesungen war durch Frontalunterricht geprägt, wobei nur wenig diskutiert wurde und kaum Gruppenarbeit stattfand. Eine Ausnahme bildete der Irisch-Sprachkurs, den ich allen Studierenden, die in Irland studieren, ans Herz legen kann. In diesem Kurs wurde viel in Gruppen- und Partnerarbeit gearbeitet und der Schwerpunkt lag auf praktischen Übungen.
Im Verlauf des Semesters waren in den meisten Kursen mehrere Studienleistungen zu erbringen, beispielsweise Essays, Reflexionen oder Klausuren. Dies stellte im Vergleich zum Studium an der Universität Potsdam eine Umstellung dar, da dort häufig alle Prüfungsleistungen gebündelt am Ende des Semesters stattfinden. Entsprechend war es notwendig, sich während des gesamten Semesters kontinuierlich mit den Studieninhalten auseinanderzusetzen, um Präsentationen vorzubereiten oder Essays zu verfassen. Das Niveau der einzelnen Aufgaben empfand ich persönlich als gut machbar und mit den Anforderungen an der Universität Potsdam vergleichbar. Da die Leistungen jedoch über das gesamte Semester verteilt waren, war der Gesamtaufwand insgesamt höher.Zudem wurde in vielen Kursen bereits zu Beginn darauf hingewiesen, dass Noten über 70 % an der Universität eher selten vergeben werden und 70 % bereits als sehr gutes Ergebnis gelten. Anfangs empfand ich dies als etwas frustrierend, mit der Zeit gewöhnt man sich jedoch daran.Zum Lernen und Arbeiten kann ich die Universitätsbibliothek sehr empfehlen. Dort stehen zahlreiche Einzelarbeitsplätze sowie Gruppenräume zur Verfügung. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, in der Bibliothek Materialien zu scannen und zu drucken.
Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden
Ähnlich wie bereits von anderen Studierenden berichtet, hatte auch ich nur wenig Kontakt zu einheimischen Studierenden. Wenn man Kurse aus dem Certificate belegt, kann man in der Regel davon ausgehen, dass diese überwiegend von internationalen Studierenden besucht werden.
Außerhalb der Vorlesungen bestand jedoch die Möglichkeit, sich in einer Society oder einem Club zu engagieren und dort einheimische Studierende kennenzulernen. Zusätzlich wurde ein Sprach-Tandem speziell für deutsche Studierende angeboten. Dabei wurden die Teilnehmenden in Paare eingeteilt und organisierten ihre Treffen eigenständig. Ich habe meine Tandempartnerin leider nur einmal getroffen, da wir anschließend keinen passenden Termin mehr finden konnten. Dennoch stellt dieses Angebot insgesamt eine sehr gute Möglichkeit dar, mit einheimischen Studierenden in Kontakt zu kommen.
Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt
Da ich Englisch auf Lehramt studiere, waren meine Englischkenntnisse schon vor dem Auslandsaufenthalt recht gut, deswegen kann ich nicht sagen, dass sich meine Sprachkompetenz deutlich verbessert hat. Ich habe aber gemerkt, dass ich mit der Zeit weniger über das Sprechen selbst nachgedacht habe und lockerer bei Unterhaltungen auf Englisch geworden bin.
Wohn- und Lebenssituation
Die Wohnsituation in Irland ist sehr angespannt, dessen sollte man sich bereits bei der Suche nach einer Unterkunft bewusst sein. Ich habe meine Unterkunft über Studentpad gefunden, eine Plattform, die auch von der Universität empfohlen wird. Im Zuge dessen habe ich zahlreiche E-Mails verschickt, wobei ich in den ersten zwei Wochen entweder keine Rückmeldungen oder ausschließlich Absagen erhalten habe. Letztlich habe ich die erste Unterkunft angenommen, die sich für mich ergeben hat.
Vorab habe ich mit der Vermieterin einen Videoanruf geführt, wodurch ich mich deutlich sicherer gefühlt habe. Generell ist es empfehlenswert, vor der Zusage einen Anruf oder Videoanruf mit den Vermietern zu vereinbaren, da es leider auch betrügerische Angebote gibt, bei denen hohe Kautionen verlangt werden, ohne dass die Unterkunft tatsächlich existiert.
Ich habe in einem Zimmer bei einer Gastfamilie gewohnt und dabei eine sehr positive Erfahrung gemacht. Bei der Wohnungssuche ist es außerdem wichtig, auf eine gute Bus- oder Bahnverbindung zur Universität zu achten. Wie viele andere Studierende habe ich keine Unterkunft direkt in Maynooth gefunden, sondern in Celbridge gewohnt. Die Fahrt zur Universität dauerte mit dem Bus etwa 25 Minuten. Viele andere Erasmus-Studierende lebten ebenfalls in Kilcock, Celbridge oder Lucan, da alle drei Orte vergleichsweise gut angebunden sind.
Da auf die Busverbindungen in Irland nicht immer Verlass ist, sollte man darauf achten, dass mehr als eine Buslinie zur Universität fährt. Besonders günstig sind Orte, von denen aus man die Buslinien C3 oder C4 nutzen kann. Hier ist es auch empfehlenswert frühzeitig eine Leap Card zu beantragen, da die Universität kein Semesterticket hat und es ein wenig dauern kann, bis die Karte ankommt. Mit der Leap Card kostet jede Fahrt nur 1 Euro.
Im Vergleich zu Potsdam sind die Lebenshaltungskosten in Irland insgesamt höher, insbesondere die Mietpreise. Für mein Zimmer habe ich 850 Euro pro Monat gezahlt und lag damit im Durchschnitt. Einige Vermieter bieten zudem an, die Miete wöchentlich zu zahlen, was besonders praktisch ist, wenn man erst Mitte September anreist und bereits Mitte Dezember wieder abreist.
Wie bereits erwähnt, bietet die Universität zahlreiche Freizeitaktivitäten an, die sogenannten Clubs und Societies. Das Angebot ist sehr vielfältig und reicht von verschiedenen Sportarten bis hin zu anderen Veranstaltungen, beispielsweise der Disney Society. Ich habe mich bei der Dance Society angemeldet, eine Anmeldegebühr von drei Euro bezahlt, und jeder zusätzliche Kurs kostete zwei Euro. Die Kurse finden wöchentlich zu unterschiedlichen Zeiten statt und sind daher nicht direkt mit dem Hochschulsport in Potsdam oder Berlin vergleichbar.
An den Wochenenden habe ich verschiedene Ausflüge unternommen, unter anderem nach Galway, Belfast und Cork. Der ESN organisiert hierfür unterschiedliche Ausflüge, die einem viel organisatorischen Aufwand ersparen. Besonders zu Beginn des Semesters ist es empfehlenswert, diese Möglichkeiten zu nutzen, da man im letzten Monat in der Regel deutlich weniger Zeit zum Reisen hat.
Studienfach: Deutsch & Englisch auf Lehramt (Master)
Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 12/2025
Gastuniversität: Maynooth University
Gastland: Irland
Rückblick
Insgesamt hatte ich eine schöne Zeit in Irland und habe viele Erfahrungen sammeln können. Irland hat wirklich viel zu bieten und deswegen empfehle ich jedem in den ersten zwei Monaten so viel zu reisen wie möglich, da der letzte Monat sehr stressig werden kann. Ich glaube das Wichtigste ist es offen zu sein, Geduld zu haben und die Zeit zu genießen. Am Anfang kann es ein wenig dauern, bis man sich an alles gewöhnt und auch die richtigen Freunde gefunden hat, und es ist normal, auch mal traurig zu sein oder Heimweh zu haben.